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Jüdisches Leben
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Beitrag vom 31.01.2026
An eine Zukunft glauben. Jüdische Biografien in der parlamentarischen Gründergeneration nach 1945
AVIVA-Redaktion
Die Ausstellung dokumentiert die vielfältigen, heute weitgehend vergessenen jüdischen Biografien in der Gründer/-innengeneration des Deutschen Bundestages und das Wirken der Abgeordneten mit jüdischer Familienbiographie für die Demokratie. Ausstellung in der Halle des Paul-Löbe-Hauses vom 28. Januar 2026 bis 6. März 2026
Eine Ausstellung des Fachbereichs Geschichte, Politik und Kultur (WD 1) in den Wissenschaftlichen Diensten des Deutschen Bundestages, unterstützt durch die Bundesstiftung Orte der Demokratiegeschichte.

Im Zentrum stehen v.a. Abgeordnete, die als Jüdinnen und Juden (wie Jeanette Wolff und Jakob Altmaier) oder wegen ihrer jüdischen Herkunft (wie Erik Blumenfeld, Adolf Arndt, Gerhard Jahn, Hildegard Hamm-Brücher, Georg Schulhoff u.a.) im Nationalsozialismus Diskriminierung und Verfolgung erlitten haben und so Teil eines "jüdischen Erfahrungsraums" (Mirjam Zadoff) wurden und die nach 1945 trotz oder gerade wegen dieser Erfahrung Verantwortung im Neuanfang übernommen haben.
Sie überlebten die nationalsozialistische Terrorherrschaft und glaubten an eine Zukunft in Deutschland – entschlossen, Verantwortung zu übernehmen: im Parlament.
Ich habe mir damals geschworen, falls ich aus dieser Hölle herauskäme, dass ich an einem Wiederaufbau, an einem demokratischen Neubeginn mitwirken würde.
Erik Blumenfeld
Diese Ausstellung dokumentiert die vielfältigen, heute weitgehend vergessenen jüdischen Biografien in der Gründer/-innengeneration des Deutschen Bundestages. Sie erinnert an die Schicksale von Abgeordneten mit jüdischer Familienbiographie, die als Jüdinnen und Juden oder wegen ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurden, und würdigt ihr Wirken in den kontroversen Debatten um deutsche Schuld und bleibende Verantwortung.
Vergiftete Seelen können nur mit dem Gegengift restloser Aufklärung entgiftet werden.
Jeanette Wolff
Es ist eine Geschichte von gesellschaftlichen Kontinuitäten und persönlichen Brüchen, von Widersprüchen und Gegensätzen. Und gerade in dieser Ambivalenz ist sie aufschlussreich für den herausfordernden Weg einer Gesellschaft aus Täter/-innen, Mitläufer/-innen und Opfern in die neue demokratische Ordnung.
Man kann doch nicht sagen: Ich war noch nicht geboren, dieses Erbe geht mich gar nichts an.
Adolf Arndt

Die Ausstellung zeigt die Einzelschicksale, widmet sich dem sehr unterschiedlichen individuellen Umgang mit dem Erlebten und folgt den Parlamentariern in zentrale Aufarbeitungsdebatten des Bundestages der ersten Jahrzehnte (´Wiedergutmachung´ und Verjährung).
Die Frauen und Männer dieser Ausstellung bilden keine einheitliche Gruppe. Nicht alle betrachteten sich selbst vor allem als Jüdin oder Jude. Dennoch lebten in ihren Biografien Verbindungen zum Judentum fort. Hinzu kamen Fremdzuschreibungen und Erfahrungen mit Antisemitismus – bis hin zur offenen Verfolgung nach 1933. Die Ausstellung nähert sich diesem Erfahrungsraum, ohne den das politische Engagement der Abgeordneten nach 1945 nicht zu verstehen ist, mit zahlreichen Dokumenten und Selbstzeugnissen.
Die deutsch-jüdische Geschichte ist nach 1945 auch als deutsch-deutsche Geschichte zu erzählen, geprägt von politischen Wechselwirkungen und persönlichen Beziehungen. Deshalb porträtiert die Ausstellung auch einzelne prominente jüdische Remigrant/-innen und Überlebende, die der ersten DDR-Volkskammer angehörten und beleuchtet schlaglichtartig die Auseinandersetzung um die Aufarbeitung der Vergangenheit im Systemkonflikt des Kalten Krieges.

Besuch in der Ausstellung
An eine Zukunft glauben. Jüdische Biografien in der parlamentarischen Gründergeneration nach 1945 - eine dokumentarische Annäherung
Ausstellung in der Halle des Paul-Löbe-Hauses
28. Januar 2026 bis 6. März 2026
montags bis freitags, 9 bis 17 Uhr, Eintritt frei
Führungen
Öffentliche Führungen finden montags um 17 Uhr sowie freitags um 15 Uhr statt. Eine Anmeldung ist erforderlich. Bitte schreiben Sie bis zwei Tage vor dem gewünschten Führungstermin an geschichte@bundestag.de unter Nennung des Datums, der Uhrzeit und Ihres Geburtsdatums (für die Sicherheitsüberprüfung).
Alle Fragen zur Ausstellung richten Sie bitte per E-Mail an: geschichte@bundestag.de
Ausstellungskatalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der die Inhalte dokumentiert - mit einem Geleitwort der Bundestagspräsidentin und einem Grußwort des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland
Angebot für Schulen
Zur Ausstellung wurde ein umfangreiches pädagogisches Begleitmaterial erarbeitet. Die Unterrichtsmaterialien für die Klassenstufen 9-12 umfassen Angebote zum Besuch der Ausstellung und für die Behandlung von Ausstellungsthemen im Unterricht. Berührt werden Themen des Lehrplans wie Nationalsozialismus, Kalter Krieg/Ost-West-Konflikt, Doppelte Staatsgründung, Demokratie- und Parlamentsgeschichte.
Download des kostenlosen Angebots unter www.bundestag.de.
Bitte beachten Sie:
Durch Bauarbeiten sind die Besuchsbedingungen aktuell erschwert.
Als Einzelbesucher/-innen melden Sie sich bitte spätestens zwei Werktage vor dem gewünschten Besuchstermin an unter: www.bundestag.de.
Bitte geben Sie bei der Anmeldung Ihren vollständigen Vor- und Zunamen, Ihr Geburtsdatum und eine Telefonnummer an, unter der Sie erreichbar sind, sowie das Datum und die Uhrzeit des gewünschten Besuchstermins. Eine Anmeldung ist jeweils zur vollen Stunde möglich.
Die Ausstellung ist über den Westeingang des Paul-Löbe-Hauses, Konrad-Adenauer-Str. 1, 10557 Berlin, zugänglich. Bitte finden Sie sich mindestens 15 Minuten vor dem Besuchstermin beim Personal der Westpforte ein, damit ausreichend Zeit für die Einlasskontrolle besteht.
Besuchsgruppen und Schulklassen melden sich bitte ausschließlich über geschichte@bundestag.de unter Nennung des Datums, der gewünschten Uhrzeit und der Geburtsdaten aller Teilnehmenden an.
Bitte beachten Sie, dass es durch die Bauarbeiten zu einem abweichenden Einlassbereich kommen kann, die Veranstalter/-innen treten rechtzeitig mit Ihnen in Verbindung.
Weitere Informationen unter: www.bundestag.de
Wissenschaftliche Tagung
Die Ausstellung versteht sich als eine dokumentarische Annäherung an das Thema "Jüdische Biografien in der parlamentarischen Gründergeneration nach 1945" und will vor allem einen Impuls setzen, sich in der Wissenschaft stärker damit zu befassen. Dazu präsentiert die Ausstellung neben vielen Bildern auch Dokumente, die eine Vertiefung ins Thema ermöglichen.
Begleitet wird die Ausstellung zusätzlich von einem Symposium, das in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bundestag die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien (KGParl) gemeinsam mit dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) und dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin (IfZ) am 26./27. Februar 2026 im Marie-Elisabeth-Lüders Haus veranstaltet:
"Der frühe Bundestag. Personal und Praktiken nach dem Nationalsozialismus".
Das Programm und Hinweise zur Anmeldung finden Sie unter: kgparl.de/symposium-das-personal-des-parlamentarischen-neuanfangs-nach-dem-nationalsozialismus
Eine Ausstellung des Fachbereichs Geschichte, Politik und Kultur (WD 1) in den Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages, unterstützt durch die Bundesstiftung Orte der Demokratiegeschichte.
Die Eröffnung am 27. Januar 2026 fand anlässlich des Tages zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz statt.
Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
Jeanette Wolff – Jüdin, sozialdemokratische Politikerin und Holocaust-Überlebende
Die im Dezember 2020 erschienene Publikation des Abgeordnetenhauses von Berlin erinnert an die sozialdemokratische Politikerin und Frauenrechtlerin. Jeanette Wolff (1888-1976) kämpfte für Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit – im Kaiserreich, der Weimarer Republik, während des NS-Terrors, im geteilten Berlin und in der Bundesrepublik.
Text © Deutscher Bundestag 2026
Fotos © Sharon Adler / PIXELMEER